Sarstedt (ph). 184 Helfer aus Sarstedt hat das Land mit der Hochwassermedaille für ihren Einsatz gegen die Fluten der Innerste im Mai ausgezeichnet. Feuerwehrleute und Bauhof-Mitarbeiter erhielten die Medaillen im Feuerwehrhaus.

Die Anliegerin aus Giebelstieg fackelt nicht lange. Kaum hat der Regen etwas nachgelassen, stellt sie einen Grill am Dickebast auf, gibt ihm Feuer und legt Bratwürste auf. Will da jemand mit dem Hochwasser nebenbei einen schnellen Euro machen? Nein, die Frau verteilt die Würstchen an die Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, die gerade auch ihr Haus vor den Fluten schützen.

Bürgermeister Karl-Heinz Wondratschek erzählt diese Geschichte den fast komplett angetretenen Feuerwehrfrauen und -männern im neuen Feuerwehrhaus, als er ihnen die Medaillen überreicht. Die nasse Bedrohung habe große Solidarität gebracht. „Wenn man nicht viel Geld hat, vergibt man einen Orden“, scherzt Wondratschek. Und schließt sich der Rede des Innenministers Boris Pistorius bei der Medaillenvergabe in Groß Düngen an: Den Einsatz der Menschen, die einen Teil ihrer Freizeit opfern, um ehrenamtlich zu helfen, könne man nicht hoch genug einschätzen.

„Erhebliche Probleme“ habe dieses Hochwasser bereitet, erinnert sich Wondratschek. Man habe sich schnell für einen Dreischichtbetrieb entschieden, damit die Helfer sich mal ausruhen konnten. Hilfe von außen sei gekommen: Acht Gemeinden schickten Feuerwehrleute, sechs Standorte die THW-Helfer, dazu kam das Rote Kreuz mit seinem Versorgungszug, Avacon wegen der Stromnetze und der Bauhof der Stadt. Die Zusammenarbeit habe gut geklappt. Und Hans-Joachim Waack aus dem Rathaus habe sich mit seinen Detailkenntnissen und Ideen als „Magier der Kanäle“ erwiesen.

Die große Pumpe des THW, die rund 50 000 Liter Wasser in der Minute bewegt, habe sich in Sarstedt so bewährt, dass der Landkreis jetzt zwei dieser Geräte anschaffen wolle.

Der Bürgermeister verweist darauf, dass dies auch von der Wirtschaft anerkannt werde: Die Firma Teccom habe 7500 Euro für die Helfer gestiftet. Und die Medaillenvergabe im Feuerwehrhaus wird von der Volksbank Hildesheimer Börde gesponsert. Deren Marktbereichsleiter Stefan Neumann weiß die Arbeit der Feuerwehr sozusagen hautnah zu schätzen. Denn die Sarstedter Volksbank in der Holztorstraße liegt hart am Fluss, die Tiefgarage ist ständig von Hochwasser bedroht. Neumann: „Die Sarstedter Feuerwehrleute kennen sich bei uns schon gut aus.“ Es sei nicht selbstverständlich, dass jemand „Haus und Familie verlässt, um anderen zu helfen“, sagt er und meint, die Aussage „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“ sei geradezu ein genossenschaftliches Motto.
Bericht der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 20.12.2013