400 Helfer folgen der Einladung der Stadt zum Dankeschön-Treffen für Beteiligte des Hochwasser-Einsatzes im Frühjahr

Sarstedt (avl). Dunkelblau war die dominierende Farbe am vergangenen Freitag beim Dankeschön-Treffen im Sarstedter Feuerwehrgerätehaus. Die Stadt Sarstedt, vertreten durch Bürgermeister Karl-Heinz Wondratschek, wollte sich noch einmal in aller Form bei den vielen unermüdlichen Helfern bedanken, die durch ihren Einsatz beim Hochwasser Ende Mai bis zur Erschöpfung geholfen hatten, noch größere Schäden von der Innerstestadt abzuwenden.

Rund 400 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, des THW, des städtischen Bauhofs und vom Deutschen Roten Kreuz waren der Einladung gefolgt und wurden noch einmal für ihren beispiellosen Einsatz gelobt. Aus dem niedersächsischen Innenministerium war Staatssekretär Stephan Mahnke gekommen, und auch Hildesheims Landrat Reiner Wegner ließ es sich nicht nehmen, ein paar nette Stunden mit den Kameraden der verschiedenen Hilfsorganisationen zu verbringen.

Neben Stadtbrandmeister Rüdiger Schulz, der im Frühjahr gerade sein Amt angetreten hatte, waren auch die Ortsbrandmeister der sieben Sarstedter Ortsteile vertreten, aber auch Feuerwehrleute aus den benachbarten Orten und Städten. „Wenn das Wasser in der kritischen Phase nur noch zwei Zentimeter gestiegen wäre, wären in Sarstedt die Lichter ausgegangen“, erinnerte Bürgermeister Wondratschek an die dramatische Lage, als Leine und Innerste über die Ufer getreten waren und die Kanalisation in der Innenstadt keinen Tropfen Wasser mehr aufnehmen konnte.

Gerade einmal vier Monate – für viele schon fast in Vergessenheit geraten – ist es her, dass ungezählte Helfer eine Woche lang Tag und Nacht im Einsatz waren, um der Wassermassen Herr zu werden. Stadtbrandmeister Schulz erinnerte an einige Episoden aus dem Frühjahr 2013. Kurz vor dem Hochwasser hatten die Feuerwehrkameraden bei einer Übung 1000 Säcke mit Sand gefüllt, um den Ernstfall zu proben, die Säcke nach der Übung dann wieder entleert, um sie wenige Tage später dann wieder in aller Eile und in Knochenarbeit zu befüllen. Einige Kollegen, die aus Bremen zur Hilfe geeilt waren, erinnert sich Schulz, fragten angesichts der Wassermassen scherzhaft, ob in Sarstedt die Schifffahrt inzwischen schon eingestellt worden sei.

3700 Einsatzstunden, doppelt so viel wie sonst in einem ganzen Jahr, hatten die Sarstedter Feuerwehrleute damals beim bisher größten Einsatz geleistet, der manchmal bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gegangen war.

Landrat Reiner Wegner bedankte sich ausdrücklich noch einmal bei den vielen Helfern, die auch von auswärts, aus ganz Niedersachsen und Norddeutschland gekommen waren, um mit anzupacken und die Wassermassen mit vereinten Kräften zurückzudrängen. Sein Dank galt auch den zahlreichen Betrieben, die den Helfern spontan freigegeben hätten, ohne auf den Ausgleich der Fehlstunden zu sehen. Zu ihnen gehörte zweifellos auch Marc Wolter, Geschäftsführer der Firma Teccom, dessen Firma die Kosten für das warme Abendessen (Braten mit gemischtem Gemüse, Kartoffeln und Pudding zum Nachtisch) und die kalten Getränke übernommen hatte.

Auf die 25 000 Liter, die während des Hochwassers pro Minute von der Dickebastbrücke zurück in die Leine gepumpt wurden, brachten die Feuerwehrleute es beim Bierkonsum allerdings den ganzen Abend nicht einmal annähernd.

Helfer erinnern sich: „Wir haben doch nur unseren Job gemacht“

Wolfgang Lühmann (54), Ortsbrandmeister von Ruthe und Zugführer 3. Zug Sarstedt:
„Neben den vielen Einsatzstunden wurden wir auch zu zahlreichen Einsätzen in Ruthe gerufen, doch dort sind die meisten Bürger schon Hochwasser-erfahren und haben meist eine eigene Pumpe im Keller. Der Einsatz während der einen Woche in Sarstedt war ziemlich kräftezehrend, aber irgendwo hat es auch Spaß gemacht, weil sich in solchen Stress-Situationen auch ein besonders intensives kameradschaftliches Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt.“

Nils Marske (17), Beim Einsatz jüngster Feuerwehrmann aus Sarstedt:
„Ich bin seit sieben Jahren bei der Feuerwehr, und natürlich war der Hochwassereinsatz für mich das bisher größte Erlebnis. Toll war vor allem die Kameradschaft. Auch die erfahrenen Kameraden haben mich von Beginn an akzeptiert. Die vielen Anstrengungen und Entbehrungen damals habe ich längst vergessen. Geblieben ist das Gefühl, dort geholfen zu haben, wo man damals dringend gebraucht wurde.“

Christian Rathke (31) vom THW:
„Mich hat beeindruckt, wie reibungslos der gleichzeitige Einsatz von den drei Großpumpen geklappt hat, mit denen jeweils 25000 Liter pro Minute zum Rückhaltebecken im Boksbergwald oder in die Innerste gepumpt wurden. Das hat für die Entlastung der Regenwasserkanäle in der Innenstadt gesorgt. Obwohl wir vorher einen solchen Großeinsatz natürlich nie üben konnten, hat die Zusammenarbeit aller Hilfsorganisationen klasse geklappt.“

Antonio Rehberg (46), stellvertretender DRK-Bereitschaftsleiter Bad Salzdetfurth:
„Die Zusammenarbeit zwischen allen Organisationen war so gut, dass meine Kollegen und ich oft abends gar nicht mehr nach Hause gefahren sind, sondern im Feuerwehrhaus übernachtet haben. Viele DRK-Kameraden haben 2006 schon beim Elbe-Hochwasser viele Erfahrungen gesammelt, die sie nun in Sarstedt einbringen konnten. Wir waren vor allem für die Verpflegung der Helfer verantwortlich, und über unseren Speiseplan hat sich während der Woche eigentlich niemand beschwert.“

Thomas Meyer (34), Gruppenführer Feuerwehr Sarstedt:
„Ich bin schon seit 2000 Feuerwehrmann, aber so einen Einsatz habe ich noch nie erlebt. Toll waren die Kameradinnen und Kameraden. Das einzige, was damals gefehlt hatte, war der Schlaf. 16 Stunden Dienst, acht Stunden Pause, die meist durch den Pieper auch noch unterbrochen wurde. Heute freue ich mich über das Dankeschön, aber eigentlich haben wir doch nur unseren Job gemacht.“

Bericht der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 07.10.2013