Kreis Hildesheim/Sarstedt (r) – Das Hochwasser hat die Region weiter fest im Griff. In Sarstedt kämpft die Feuerwehr gegen die drohende Überflutung der Stadt. Es ist ein Bürgertelefon eingerichtet (05066/805-36). Sarstedter können für den Eigengebrauch am Festplatz Sandsäcke füllen oder Sandsäcke beim städtischen Bauhof in der Bleekstraße abholen. Die Kreisstraße 514 (Ruther Straße) zwischen Sarstedt und Ruthe ist gesperrt. Auch in der Sarstedter Innenstadt ist eine Reihe von Straßen vorsorglich für den Autoverkehr gesperrt. Der Unterricht an der Regenbogenschule und der Grundschule Kastanienhof war am Morgen ausgefallen. Da die Schulbusse Umwege fahren müssen, ist laut Stadtverwaltung mit Verzögerungen zu rechnen, falls am Donnerstag der Unterricht wieder stattfindet.

Die Innerste selbst in gar nicht mehr das größte Problem – die Gefahr lauert in der Kanalisation: Sie kann kein zusätzliches Wasser mehr aufnehmen. Jeder neue Regenguss würde wahrscheinlich die Innenstadt überschwemmen. Dagegen kämpfen Feuerwehr, THW und DRK mit 200 Einsatzkräften und mehreren Pumpen an. Das THW hat zwei Pumpen aus Peine und Fallingbostel geordert, die jeweils 5000 Liter pro Minute abpumpen. 13000 volle Sandsäcke liegen in Sarstedt schon an der Wasserkante, weitere 3500 sind befüllt, weitere 10000 leere Säcke plus Sand sind bestellt.

Der Boksbergteich, der den Grundwasserspiegel regelt, wird am MIttwoch zur neuen Problemzone. Er kann kein Wasser mehr aufnehmen, der Grundwasserspiegel steigt.Aus dem Harz fließt wieder mehr Wasser Richtung Sarstedt, der Abfluss aus der Innerstetalsperre wurde verdoppelt. Und neue Wolken ziehen heran. „Jeder neue Tropfen ist zu viel“, so Feuerwehr-Sprecher Matthias Quintel am Mittwoch. Eine Hochleistungspumpe aus Bremen soll die Kanalisation entlasten – sie kann 15000 Liter Wasser pro Minute befördern.

Die Stadtverwaltung empfiehlt, Keller und Garagen zu räumen. Die Feuerwehr könne nur in Ausnahmefällen helfen. Anwohner sollten dringend ihre Autos aus gefährdeten Gebieten wegfahren. Die Feuerwehr stellt außerdem keine Pumpen zur Verfügung, um eindringendes Wasser aus Kellern auszupumpen. Stark unterschiedliche Druckverhältnisse könnten zum Eindrücken von Wänden führen. Pumparbeiten können Fundamente beeinträchtigen und so schwere Bauschäden verursachen.

Nachdem am Mittwochvormittag südlich des Dreiecks Hannover Süd in Fahrtrichtung Hildesheim der Standstreifen überflutet war, drohte Wasser auch auf die Fahrbahn zu laufen. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei trugen daraufhin Erde an der Böschung ab. Die Überschwemmungsgefahr auf der Autobahn 7 ist gebannt. Auch der Bahnverkehr war wegen überfluteter Schienen sowie eines vom Hochwasser lahmgelegten Bahnübergangs bei Woltwiesche zeitweise in der Region lahmgelegt.

Die Harzwasserwerke haben den Abfluss aus der Innerstetalsperre erhöht. Die ist zu 97 Prozent gefüllt. Nach anfangs drei Kubikmetern pro Sekunde werden 16 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen. Der Zufluss lag deutlich darunter, am Mittwochnachmittag um 15 Uhr etwa bei 8 Kubikmetern pro Sekunde. Die Harzwasserwerke informieren hier über Pegelstände und Abflussmengen ihrer Talsperren. Das Unternehmen kündigt an: In der zweiten Wochenhälfte wird ein weiteres größeres Niederschlagsgebiet erwartet. Eine zweite Hochwasserwelle im Zulauf zu den Talsperren und höhere Abgaben seien nicht auszuschließen.

Laut Deutschem Wetterdienst ist wiederholt mit Regen und Gewitter zu rechnen, dabei ist sowohl Starkregen als auch Dauerregen bis in den Unwetterbereich möglich. Erst im Laufe des Wochenendes wird sich wohl von Westen her das Wetter allmählich beruhigen.
Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung