Am frühen Samstagmorgen wurde die Feuerwehr Sarstedt um 2:55 Uhr zu einem türkischen Lebensmittelmarkt Am Friedrich-Ebert-Park alarmiert. Als wenig später die ersten Kräfte eintrafen, drang aus dem Inneren des Supermarktes bereits starker Rauch.

Zwei Atemschutztrupp gingen zur Brandbekämpfung und Erkundung im Erdgeschoss von der Ladenfrontseite aus vor. Aufgrund der massiven Hitzeinwirkung war ein Vordringen bis zum Brandherd jedoch nicht möglich. Aufgrund der Komplexität der angrenzenden Gebäude wurde um 03:14 Uhr der 1. Zug, betehend aus den Ortsfeuerwehren Heisede, Hotteln und Gödringen (jeweils LF 8/6) nachalarmiert.

Die Seitentür zum Ladenbereich wurde geöffnet, um eine Gegenlüftung für die Überdrucklüfter zu schaffen. Ein weiterer Trupp ging zur Erkundung in das 1. Obergeschoss vor. Dort war jedoch keine Brandausbreitung festzustellen.

Der 1. Zug übernahm die Riegelstellung zu dem angrenzenden Gebäude, in dem eine Viedeothek und ein Wettbüro untergebracht ist. Die Drehleiter wurde von der östlichen Seite zur Riegelstellung und Ausleuchtung eingesetzt.

Um 04:09 wurde 3. Zug mit den Feuerwehren Giften (LF 8/6), Ruthe (TSF-W) und Schliekum (LF 8/6) nachalarmiert, um weitere Atemschutzgeräteträger an die Einsatzstelle zu bekommen. Gegen halb fünf musste ein Atemschutzträger durch den Rettungsdienst ambulant betreut werden, da dieser eine Kreislaufschwäche bekam.

Von der Feuerwehrtechnischen Zentrale aus Groß Düngen wurde ein Gerätewagen Atemschutz únd der Schlauchwechselwagen angefordet, sowie von der Berufsfeuerwehr Hildesheim eine Wärmebildkamera. Um kurz nach 5 war das Feuer gelöscht. Ein Übergreifen auf die Nachbargebäude konnte verhindert werden. Die Schadenshöhe ist laut Aussage der Polizei bei 150.000 Euro. Die Brandursache ist auf eine Brandstiftung durch fremde Personen zurückzuführen.

Insgesammt waren 120 Kameraden mit 36 Flaschen Atemschutz im Einsatz.


Bericht der HAZ vom 05.11.2007:

Türkischer Supermarkt brennt völlig aus

 

Brandstiftung wahrscheinlich / 120 Feuerwehrleute bekämpfen Flammen am Friedrich-Ebert-Park

Sarstedt (abu). Die Polizei geht von Brandstiftung aus, selbst ein politischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen: Der türkische Supermarkt am Friedrich-Ebert-Park ist in der Nacht zum Sonnabend völlig ausgebrannt. 120 Feuerwehrleute kämpften unter zeitweise sehr schwierigen Bedingungen stundenlang gegen die Flammen. Verletzt wurde niemand, die Polizei schätzt den Schaden auf 150 000 Euro.
Erst im Juli hatte der „Atlas“-Supermarkt in der Straße am Friedrich-Ebert-Park geöffnet. Wo bis 1980 ein Kino und danach ein Penny-Markt zu Hause waren, bot er auf 550 Quadratmetern seither vor allem türkische Lebensmittel an. Doch damit ist es nun erst einmal vorbei. Der Brand in der Nacht zum Sonnabend vernichtete das Geschäft vollständig. Bittere Ironie: Nur einige Säcke Kohle am Eingang blieben von den Flammen verschont.

„Mit Sicherheit Brandstiftung“

„Das war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Brandstiftung“, erklärte Günter Weinfurtner, bei der Hildesheimer Polizei zuständig für den Staatsschutz, auf Anfrage dieser Zeitung. Er könne nicht ausschließen, dass es dafür einen politischen Hintergrund gebe: „Der Inhaber lebt seit 30 Jahren in Deutschland und hat einen deutschen Pass, stammt aber aus den kurdischen Gebieten der Türkei.“ Angesichts des gegenwärtigen Konfliktes zwischen der Türkei und den Kurden „ermitteln wir auch in diese Richtung“, so Weinfurtner. Er betonte aber, dass es bislang keine Anhaltspunkte für eine politische Tat gebe und deshalb in alle Richtungen ermittelt werde. Derzeit wird untersucht, wie der Brand gelegt wurde.

Es ist 2.55 Uhr am Sonnabendmorgen, als der erste Alarm bei der Sarstedter Feuerwehr eingeht. Vor Ort merken die Brandschützer schnell, dass sie Verstärkung brauchen: Flammen lodern in dem Supermarkt, dichte Rauchwolken quellen heraus. Um 3.14 Uhr alarmieren sie den ersten, um 4.07 Uhr auch den dritten Zug. Insgesamt 120 Brandschützer aus allen sieben Sarstedter Feuerwehren sind schließlich im Einsatz. Es ist nach Bernhardt-Busdepot, Eon-Avacon und Entenfang bereits der vierte Großbrand in diesem Jahr – doch bei keinem waren so viele Feuerwehrleute im Einsatz wie in dieser Nacht.

Das größte Problem, zunächst: Die selbst für ein Großfeuer enorme Hitze in dem Gebäude. „Wahnsinnig heiß darin“, keucht eine Feuerwehrfrau, als sie nach wenigen Minuten in dem Supermarkt wieder frische Luft schnappt. Sieben Zweiertrupps mit Atemschutz-Geräten und Pressluft-Flaschen wechseln sich in schneller Folge ab: „Gerade zu Beginn mussten wir schnell durchtauschen, weil die Hitze nur sehr kurz auszuhalten war“, berichtet Stadtbrandmeister Uwe Meyer später.

Einer der Feuerwehrmänner bekommt unter diesen Bedingungen Kreislauf-Probleme, kann aber von bereitstehenden Sanitätern schnell wieder „aufgepäppelt“ werden. Insgesamt 36 Pressluft-Flaschen leeren die Einsatzkräfte in dieser Nacht, weit mehr als der Durchschnitt bei Bränden dieser Größenordnung. Ein Fahrzeug der Feuerwehrtechnischen Zentrale Groß Düngen ist vor Ort, hier werden die Flaschen immer wieder aufgefüllt.

Meter für Meter dringen die Einsatzkräfte im Verkaufsraum vor, eine regelrechte Hitzewand hemmt ihre Arbeit. Zugleich qualmt es gewaltig. Die Feuerwehr befürchtet eine „Durchzündung“, die Reaktion von Brandgasen und Sauerstoff in einer Stichflamme. Dazu kommt es zwar nicht, doch die Gefahr zwingt zu großer Vorsicht. Die Brandschützer versuchen mit zwei Überdrucklüftern, den Qualm aus dem Gebäude zu pusten. Zudem klettern zwei von ihnen mit einer Leiter in den ersten Stock und schlagen dort die Fenster ein, um dem Rauch einen weiteren Ausweg zu bieten. Noch immer ist es im Markt selbst unerträglich heiß.
Der „Durchbruch“ gelingt schließlich, als die Feuerwehr beginnt, durch den Flachbau am hinteren Ende des Parkplatzes in das Gebäude einzudringen, um dem Feuer auch von hinten „zu Leibe“ zu rücken. Der Plan war zunächst daran gescheitert, dass die Schlüssel für eine Stahltür nicht aufzutreiben waren. Auch dieser Teil des Gebäudes, der bereits zum Sportwetten-Büro gehört, ist völlig verqualmt.

„Aus“ nach zweieinhalb Stunden

Trotzdem können die Einsatzkräfte hier zügig vordringen. Und schließlich von zwei Seiten Wasser in den hinteren Teil des Supermarktes pumpen, in dem das Feuer offenbar ausgebrochen ist. Inzwischen ist auch ein Vertreter der Berufsfeuerwehr Hildesheim eingetroffen. Er hat eine Wärmebildkamera dabei. Damit lokalisieren die Brandschützer die heißesten Stellen und immer wieder auch Glutnester.
„Feuer aus“ melden die Brandschützer schließlich um 5.24 Uhr – zweieinhalb Stunden nach Beginn des Einsatzes. Bis 8.25 Uhr am Sonnabendmorgen blieb eine Brandwache, dann „übergeben“ die Feuerwehrleute den Brandort an die Polizei.


Bericht der HAZ vom 06.11.

Polizei bestätigt Brandstiftung

 

Ermittler entdecken Beschleuniger in türkischem Lebensmittelgeschäft

Sarstedt (abu). Nach dem Großfeuer im türkischen „Atlas“-Supermarkt in der Nacht zum Sonnabend hat sich der Verdacht der Brandstiftung bestätigt: Die Ermittler fanden Reste eines Brandbeschleunigers. Wer den Markt angezündet hat, ist allerdings noch völlig unklar.

Auch zweieinhalb Tage nach dem verheerenden Feuer im „Atlas“-Supermarkt liegt an dem Gebäude noch der Geruch von Verbranntem in der Luft. Die zerstörte Schaufensterfront ist inzwischen mit Brettern verrammelt, ein Baustellenzaun versperrt jeden Zugang zu dem Geschäft. Auch ein Trassierband der Feuerwehr signalisiert eindeutig: Betreten verboten.

120 Feuerwehrleute hatten, wie berichtet, in der Nacht zum Sonnabend in dem Supermarkt gegen die Flammen gekämpft. Die Brandschützer waren gegen 2.55 Uhr alarmiert worden. Sie konnten verhindern, dass der Brand auf benachbarte, teilweise bewohnte Gebäude übergriff – das Geschäft war allerdings nicht zu retten. Der Schaden beträgt rund 150 000 Euro. Und die Polizei war sich relativ schnell sicher: Auf den erst im Juli eröffneten Markt war des Nachts ein Brandanschlag verübt worden.
Ein Verdacht, der nun zur Gewissheit geworden ist. Die Brandermittler der Polizei entdeckten am Sonnabend und Sonntag im ausgebrannten Markt Reste eines Brandbeschleunigers, wie endgültige Untersuchungen gestern ergaben. Das bestätigte der Hildesheimer Polizeisprecher Claus Kubik gestern auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Ermittler forschten allerdings weiter in alle Richtungen, konkrete Hinweise gebe es noch nicht, so Kubik weiter. Damit schließt die Polizei weiterhin nicht aus, dass es einen politischen Hintergrund für den Anschlag geben könnte. Wie berichtet, ist der Marktbetreiber kurdischer Herkunft, lebt allerdings seit 20 Jahren in Deutschland. „In dieser Richtung hat sich aber bislang nichts konkretisiert“, erklärte Kubik.

Einen anderen Verdacht weist er hingegen zurück: „Wir glauben nicht, dass in Sarstedt ein Feuerteufel unterwegs ist“, sagte er. Dieses Thema hatten Feuerwehrleute aufgebracht, weil der „Atlas“-Brand bereits das vierte Großfeuer in Sarstedt in diesem Jahr war. „Bei Eon-Avacon gehen wir nach wie vor von einem Anschlag von Linksextremisten aus, beim Busdepot Bernhardt und beim Giftener Entenfang-Gehöft weist vieles auf technische Ursachen hin“, zählt Kubik auf.
Bei der Aufklärung des Supermarkt-Brandes hofft die Polizei nun auf Hilfe aus der Bevölkerung. Hinweise nehmen die Ermittler unter der Telefonnummer 0 51 21 / 939-115 entgegen.