Stadtbrandmeister lobt die Zusammenarbeit aller Helfer / Hochwasser hinterlässt vielerorts viel Schlamm

Sarstedt (cha/abu). Das Wasser steht immer noch hoch, aber die Pegelstände sinken. Einsatzleiter Uwe Meyer war mit dem Ergebnis des viertägigen Dauereinsatzes zufrieden. Am Dienstag um 15 Uhr lösten die Helfer ihren Krisenstab auf. Auch die Straßen nach Ruthe sind wieder frei, gestern liefen im Dorf aber immer noch einige Pumpen. Insgesamt beginnt in Sarstedt nun die Zeit des Aufräumens.

„Schon in der Nacht begann sich die Lage deutlich zu entspannen“, sagte Stadtbrandmeister Uwe Meyer am Dienstagnachmittag. Am Hilfspegel an der Holztorstraße maß die Feuerwehr in der Nacht bereits einen um 20 Zentimeter gefallenen Wasserstand. „Am Tag sank das Wasser dann stündlich.“ Um 15 Uhr lösten die Helfer deshalb ihren Krisenstab auf, der vier Tage lang vom Sarstedter Gerätehaus aus das Geschehen im Stadtgebiet koordiniert hatte. Zu dieser Zeit war auch die Straße zwischen Sarstedt und Ruthe bereits wieder freigegeben. Und auch zwischen Ruthe und Heisede standen lediglich noch vereinzelte Pfützen auf dem Asphalt. Gestern wurde auch diese Straße wieder für den Verkehr freigegeben.

Weiterhin im Einsatz waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW), um Keller rund um die Wiesenstraße auszupumpen und Bereiche, auf denen kein Wasser mehr stand, zu reinigen. Auch die Pumpgruppe vom Nordring, die dafür gesorgt hatte, dass der Verkehr auf der Umgehungsstraße nicht zusammenbrach, konnte abrücken.

Insgesamt zeigte sich der Stadtbrandmeister zufrieden mit dem Ergebnis der Arbeit. „Wir konnten das Schlimmste verhindern“, sagt er. Dazu zähle er auch die Aufrechterhaltung der Stromversorgung, bei der Mitarbeiter von Eon-Avacon einen erheblichen Anteil gehabt hätten. „Ohne Strom hätten wir nämlich evakuieren müssen.“ Und auch, dass es zu keiner Überspülung in der Holztorstraße kam, verbuchte der Einsatzleiter als gemeinsamen Erfolg aller Helfer und Anwohner. Ausdrücklich lobte Meyer den Einsatz der Helfer, die fast allesamt vier Tage im Dauereinsatz gewesen waren. „Es war eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, THW, Polizei, Bauhof und allen anderen.“

Gestern standen in Sarstedt fast alle Pumpen wieder still. Die Innerste stand zwar immer noch recht hoch, aber schon rund anderthalb Meter unter dem Höchststand vom Sonntag. Dennoch liefen in Ruthe weiterhin einige Pumpen, noch immer drückte das Grundwasser in einigen Einfamilienhäusern nahe der Innerste in die Keller. Durch den hohen Wasserstand der Leine standen auch fast alle Weiden rund ums Dorf noch unter Wasser. Auf den Feldern paddelten Schwäne, auf dem FSV-Sportplatz Enten. Der Ruther Holger Algermissen berichtete zum Beispiel von einem Goldfisch, dessen heimischer Zierteich offenbar teilweise in den Wassermassen verschwunden war und der nun über eine Wiese schwamm.

Der Sportplatz des FC Ruthe stand gestern nicht mehr unter Wasser, Rasen und Laufbahn sind aber von Schlamm bedeckt. Auch Spielplatz und Grillstand sind arg verschmutzt. Die Fußballer haben alle Heimspiele am Wochenende abgesagt und wollen sich morgen zum Aufräumen treffen. Teilweise unter Wasser stand auch nach wie vor die Kleingarten „Kolonie an der Innerste“. Viele Gartenpächter wagten sich allerdings in Gummistiefeln in ihre Lauben, um dort nach dem Rechten zu sehen.


Auf die Welle folgt die Debatte um das Wehr

Mühle Malzfeldt weist Kritik aus Kleintierkolonie zurück

Sarstedt (cha). Der Tag nach dem Hochwasser begann für viele Sarstedter mit Aufräumen. Auch in der Kleintierkolonie am Festplatz. Hier waren die Mitglieder enttäuscht darüber, dass das Wehr an der Innerste „zu spät“ geöffnet wurde. Die Überflutung des Koloniegeländes hätte vermieden werden können“, glauben die Mitglieder.
Bodo Ritter und Ernst-Robert Konrad begutachten die Schäden. Die Flutwelle spülte Gartenschmuck und Hölzer quer durch die Kolonie. Aber das ist noch nicht schlimm. Schlimm sind die vielen durchweichten Gegenstände, nasse Möbel und Teppiche, die überall tropfend in der Gegend stehen und liegen. Konrad, der auch Vorsitzender der 51er Schützen ist, hat in seiner Laube gleich den Ofen entfacht, um alles so schnell wie möglich trocken zu bekommen. Im Mittelweg, dem zentralen Weg durch die Kolonie am Festplatz, ist der Kies an manchen Stellen völlig weggeschwemmt. „Daran kann man sehen, mit welcher Gewalt die Welle hier durch ging“, sagt Konrad.

Die Vereinsmitglieder sind sich darüber bewusst, dass sie keine Hauptleidtragenden des Hochwassers sind. „Aber wir glauben, dass es hier hätte vermieden werden können“, sagt Konrad. Der Grund für die Welle, die am Sonnabend gegen 9 Uhr durch die Kolonie fegte, liegt ihrer Meinung nach nur wenige Meter entfernt am Wehr. Dort können Mitarbeiter der Mühle Malzfeldt die so genannten Schütze öffnen und schließen. „Sie waren geschlossen, als das Wasser kam“, sagt Konrad. Später sei es dann geöffnet worden – zu spät für die Kolonie. Besonders ärgerlich finden die 19 Mitglieder der Kolonie, dass es immer wieder vorkomme. „Das war jetzt schon das dritte Mal“, sagt Konrad.

Andreas Glein von der Mühle Malzfeldt weist die Kritik der Vereinsmitglieder zurück. Das Wehr werde komplett automatisch gesteuert. Seit mehr als einem halben Jahrhundert gebe es Vorgaben darüber, wann welche Schütze geöffnet und geschlossen werden müssten. „Wir können dort nicht einfach nach Gutdünken rauf und runter fahren“, sagt er. Möglich sei aber auch, dass die Innerste derart schnell angeschwollen sei, dass die Schütze nicht schnell genug geöffnet werden konnten. „Die brauchen schon ein paar Minuten, bis sie oben sind.“


Wassergrab für Chrysanthemen

Ruther Gärtner sieht Schaden in fünfstelliger Höhe / Lehrgut hat Mais gerade rechtzeitig geerntet

Ruthe (abu). Das Hochwasser hat viele geschädigt – Privatpersonen wie Firmen. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Ruther Gärtnerei Drescher. Dabei hat sie noch Glück gehabt, meint der fluterprobte Inhaber Walter Drescher: „Ein paar Zentimeter mehr wären noch viel schlimmer gewesen.“

Die Plastikpaletten mit den vielen kleinen Blumentöpfen liegen wild verstreut im Schlamm. Die meisten Pflanzen darin sind völlig mit Schlamm überzogen, keine Spur mehr von den bunten Blüten erkennbar. Ein paar Meter weiter schwimmen noch einige Paletten umher. Die Chrysanthemen darin blühen zwar, doch ihre Blätter sind ebenfalls verschlammt. „Die kauft keiner mehr“, sagt Gärtnermeister Walter Drescher, der in Gummistiefeln zwischen seinen Pflanzen umher-stapft und den Schaden begutachtet. „Trotzdem sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen.“

Wohl nirgendwo in Sarstedt wird der ökonomische Schaden des Hochwassers so deutlich sichtbar wie in der Gärtnerei in Ruthe. Drescher hat viele seiner Gewächshäuser fast direkt an der Innerste stehen – und hier zeigt sich, was er mit „blauem Auge“ meint. In den Glashäusern selbst stand das Wasser zwar einige Zentimeter hoch, die mehreren Tausend gerade vor einigen Tagen eingetopften Stiefmütterchen und Primeln bekamen „nasse Füße“ – aber es sieht ganz so aus, als wären sie weiter nicht beschädigt.

Ganz anders als die Chrysanthemen, die wie einige andere Blumen auch auf dem Feld zwischen Gewächshäusern und ICE-Trasse gestanden hatten. Die Fläche liegt etwas tiefer, das schlammige Innerste-Hochwasser schlug hier voll zu. Gut 10 000 Euro, schätzt der Gärtnermeister, muss er schlichtweg abschreiben. „Hochwassergebiet, das versichert keiner“, stellt er nüchtern fest. „Das Risiko besteht eben. Ich wüsste nicht, wohin sonst mit den Pflanzen.“ Man merkt: Drescher ärgert sich zwar – aber den Hochwasser-Kummer ist sein Familienbetrieb seit Jahrzehnten gewohnt. Die Blumen in den Gewächshäusern sind im Gegensatz zu denen auf dem Freiland auch versichert. Trotzdem: „20 Zentimeter mehr, wie vor vier Jahren – dann wäre in den Gewächshäusern auch alles hin gewesen.“ Damals traf ihn die Flut allerdings nicht so hart. „Das war im März, da hatten wir nicht so viel draußen stehen.“

Dann zeigt Drescher, der als Vorsitzender des FC Ruthe und Mitglied der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr nicht nur beruflich vom Hochwasser betroffen ist, hinter den Zaun, der seine Flächen vom Rest des Feldes trennt. Dort hatte das Lehr- und Forschungsgut Ruthe Futtermais angebaut. „Die Mitarbeiter haben gerade am vergangenen Donnerstag geerntet – Glück gehabt“, meint Drescher. Jetzt ragen nur noch die Strunken aus einer ungangbaren Wüste aus Wasser und Morast. Ob der Mais nach dem Hochwasser noch zu gebrauchen gewesen wäre, sei unklar. „Man hätte dann vielleicht auch prüfen müssen, was der Fluss an Schadstoffen abgelagert hat.“