Hochwasser bleibt hoch – In Sarstedt laufen sämtliche Pumpen auf Hochtouren

Sarstedt (cha). Das Hochwasser hat auch gestern wieder Helfern von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) sowie der Polizei Überstunden bereitet. Das Wasser der Innerste ging im Lauf des Tages leicht zurück. Trotzdem entspannte sich die Lage für die Anwohner der hochwassergefährdeten Gebiete kaum.

Hierfür verantwortlich war laut Stadtbrandmeister Uwe Meyer das Grundwasser, das von den Wassermassen vielerorts nach oben gepresst wurde. Als Folge liefen die Pumpen in den Bereichen Holztorstraße, Giesener Straße und Venedig im Dauerbetrieb. Mancherorts rückten die Helfer mit starken Pumpen an – mussten allerdings zusehen, wie die leergepumpten Keller nach kürzester Zeit wieder vollliefen. Bei Fred-Arno Klingebiel in der Holztorstraße beispielsweise war der Keller gestern bereits zum vierten Mal abgesoffen. Mitglieder aller Ortswehren und des THW kämpften den ganzen Tag über mit dem Wasser.

Die Straßen zwischen Sarstedt und Ruthe sowie Ruthe und Heisede blieben auch gestern für den Verkehr gesperrt. Die Feuerwehr warnte davor, trotzdem wagten es einige Autofahrer, durch das Wasser zu fahren.

Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit hatte die Feuerwehr am Nordring. Dort musste sie Wasser, das aus der Kanalisation nach oben drückte, in den Dickebast pumpen, der noch Wasser aufnehmen konnte. Ohne diese Tätigkeit wäre der Verkehr auf der wichtigen Umgehungsstraße zusammengebrochen.

Gegen Abend richteten sich viele sorgenvolle Blicke gen Himmel, denn es fing wieder an zu regnen. Zu diesem Zeitpunkt neigten sich die Pegelstände gerade wieder etwas in Richtung Normalität. „Aber wenn es sich wieder richtig einregnet, haben wir in ein oder zwei Tagen den nächsten Schub“, befürchtete ein Feuerwehrmann am Dickebast.


Von Entwarnung keine Spur – Das Hochwasser von Innerste und Leine hält die Helfer von Feuerwehr, THW und Polizei weiterhin auf Trab

Auch gestern sind Helfer von Feuerwehr und THW sowie die Polizei im Dauereinsatz gewesen, um Keller im Stadtgebiet auszupumpen und den Verkehr aufrecht zu halten. Die Kreisstraßen zwischen Sarstedt und Ruthe sowie Ruthe und Heisede bleiben weiter gesperrt.

Sarstedt (cha). Wenn Ernst Peters an die Vorgaben des früheren Bauamtsleiters Willy Jaedtke zurückdenkt, ist er heute noch dankbar. Denn als der Landwirt im Brickelweg bauen wollte, stellte Jaedtke hohe Auflagen. So musste Peters unter anderem zwei Drainagen legen lassen, die noch 30 Zentimeter unter der Bodenplatte verliefen. „Erst haben wir ganz schön gejault“, erinnert sich der 67-Jährige gestern und blickt auf das viele Wasser rings um sein Grundstück. Doch inzwischen weiß er die damalige
Entscheidung zu schätzen. So weit Peters blicken kann: vollgelaufene Keller. Die nahe Innerste zieht bereits durch seinen Obst- und Gemüsegarten. Doch die Pumpen, die die Drainagen leeren, arbeiten auf Hochtouren. Und sein Keller ist – abgesehen von einigen Pfützchen – fast trocken.

Damit steht Peters in dieser Ecke der Stadt fast allein da. „Je länger das Wasser hier steht, desto mehr drückt es ins Grundwasser“, sagt Stadtbrandmeister Uwe Meyer. Die Folge: In vielen Straßen Sarstedts surren die Pumpen unentwegt, um das Wasser aus den Kellern der Anwohner zu bekommen. Zum Beispiel in der Holztorstraße, wo Thomas Meyer von der Feuerwehr Sarstedt gerade die 1000-Liter-Pumpe anfordert. Sie soll den Keller von Fred-Arno Klingebiel leeren, der randvoll mit Grundwasser steht. „In ein paar Minuten ist er leer“, sagt Meyer.

Besitzer Fred-Arno Klingebiel bleibt skeptisch. „Das ist jetzt das vierte Mal, dass mein Keller leergepumpt wird“, sagt er. So lange die Innerste nicht wieder in ihrem Bett fließt, glaubt er nicht an einen trockenen Keller. Sorge hat er vor allem um seine Heizung. „Der Kessel steht ja unten, und wenn die Heizperiode anfängt, muss er wieder trocken sein.“

Neben den vielen nassen Kellern muss sich die Feuerwehr vor allem darum kümmern, den Verkehr aufrecht zu halten. Mitglieder der Schliekumer Ortswehr pumpen am Nordring Wasser aus der Kanalisation in den Dickebast. Ohne die Entlastung hätte das Wasser auf die Straße gedrückt – der Verkehr auf dem Nordring wäre zum Erliegen gekommen.

Zwischen Sarstedt und Ruthe sowie Ruthe und Heisede geht zu diesem Zeitpunkt ohnehin nichts mehr. Beide Straßen bleiben gesperrt. Jedenfalls theoretisch, denn nach wie vor wagen Autofahrer – trotz Warnung der Feuerwehr – die Fahrt durch die überspülten Straßen. Auch die Ruther Ortswehr hat mit jeder Menge vollgelaufener Keller zu kämpfen. „Wir pumpen gerade wieder
mehrere aus“, sagt Ortsbrandmeister Wolfgang Lühmann mittags. An vielen kritischen Stellen im Stadtgebiet geht das Wasser am Nachmittag zurück.

„Aber es sind neue Regenfälle angekündigt“, sagt Kai Brinkmann von der Schliekumer Ortswehr am Nordring, ehe die ersten Tropfen fallen. Auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gibt keine Hochwasserentwarnung. „Sorgenkind bleibt die Innerste, wo bereits am Wochenende mit 6,75 Meter der höchste Wasserstand seit Inbetriebnahme des Pegels Heinde oberhalb von Hildesheim gemessen wurde“, teilt der Landesbetrieb mit. Er wertet unter
anderem die Pegel in Heinde und in Koldingen aus.

Weitere Informationen zu den Pegelständen von Innerste und Leine finden sich im Internet unter www.nlwk.de.


„Das kennen wir ja schon“ – Anwohner der Wiesenstraße sind Kummer gewohnt

Sarstedt (rei). Mit weißen Farbmarkierungen auf dem Asphalt hat das Ehepaar Wolf den Rückgang des Hochwassers in der Wiesenstra§e dokumentiert: 11.30 Uhr steht auf der ersten Markierung, 14.30 Uhr ein paar Meter weiter gen Innerste. Hinter dieser Markierung glitzert immer noch eine durchgehende Wasseroberfläche über dem Asphalt, in den Hauseingängen stapeln sich die Sandsäcke.

Karin Wolf beobachtet, wie das dreckige Nass aus drei Schläuchen gleichzeitig aus ihrem Keller an die Oberfläche gepumpt wird. „Da unten steht immer noch alles unter Wasser“, meint sie. Und fügt achselzuckend hinzu: „Aber das kennen wir ja schon.“ Sie und ihr Mann besitzen zwei Häuser in der Wiesenstraße. Durch ihre tiefe Lage und die Nähe zur Innerste ist diese, neben der
Schützenstraße und dem Nordring, mit am stärksten vom Hochwasser betroffen. Und das nicht zum ersten Mal. Die Anwohner sind in dieser Hinsicht Kummer gewohnt – und wissen sich zu helfen:

„In dieser Ecke organisieren sich die Hausbewohner weitgehend selbst“, sagt Stadtbrandmeister Uwe Meyer, der den Hochwassereinsatz der Feuerwehr leitet. Wo es nötig ist, hilft die Feuerwehr dennoch mit Schläuchen aus: „Wir sind mit allem versorgt, was wir brauchen“, sagt Wolf. Und langsam gehe das Wasser ja zum Glück auch wieder zurück, ergänzt Ehemann Günter. Der sorgenvolle Blick zum Himmel bleibt dennoch nicht aus – sollte es wie vorhergesagt wieder anfangen zu regnen, würden die weißen Markierungen wohl schnell wieder von der braunen Brühe verschluckt.