Mehr als ein Vierteljahr hat ein Resthof in der Ringstraße der Ortsfeuerwehr Schliekum als grandioses Übungsobjekt gedient. Bei jedem Übungsdienst wurde über die Verwendungsmöglichkeiten der Hofstelle ausgiebig philosophiert. Die Ideen reichten von Hausbesetzung zur Erhaltung des Ausbildungsobjekts über Abrissparty und Wohnobjekt für Studenten bis hin zu Restaurierung für Feuerwehrzwecke. Nach jedem Treffen versicherte der neue Eigentümer glaubhaft: „Jetzt kommt bald der Bagger zum Abriss, dann kann hier nicht mehr geübt werden.“ Am Donnerstag, 26.05.2016, war es dann soweit. Gegen Mittag wurde der Bagger mit dem Tieflader angeliefert und bereits abends war das halbe Wohnhaus abgerissen. Schnell, wie es sich für eine Feuerwehr gehört, wurde ein Abschiedsgrillen organisiert. Noch bevor das Abrissunternehmen am Freitag in den Feierabend startete, standen Festzeltgarnitur, Grill und Feuerkorb auf dem Hof. Die Teile des über 100 Jahre alten Dachstuhls waren etwas groß für den Feuerkorb und mussten schweißtreibend mit der Handsäge zerkleinert werden. Die Brenndauer war kürzer als die Sägezeit pro Balken.

Selbst in den Wintermonaten rollte das Feuerwehrauto zum Übungsobjekt, damit am echten Objekt der Einsatz des Hooligan Tool zur Türöffnung geübt werden konnte. Zuerst erfolgte eine ausführliche Einweisung durch einen Kameraden der Ortsfeuerwehr Sarstedt. Beim nächsten Dienstabend wurden sämtliche Innentüren mit den neu erlernten Methoden aus den Angeln gehoben. Das Verlegen einer wassergefüllten Schlauchleitung durch ein Treppenhaus haben viele Feuerwehrmitglieder hier das allererste Mal in der Praxis geübt. Die verschiedensten Methoden für den Steckleitereinsatz hat sowohl die Ortsfeuerwehr Schliekum getestet, als auch die Ortsfeuerwehren Giften, Ruthe und Schliekum gemeinsam.

Bericht dazu:

Jugendfeuerwehr Schliekum aus Wohnhaus gerettet

Die größte Herausforderung für alle Teilnehmer war das Ein- und Aussteigen in das 1. OG über eine Steckleiter, teilweise mit Atemschutzflasche auf dem Rücken. Auch für einen Zugdienst mit Menschenrettung sind die Feuerwehren Giften und Ruthe nach Schliekum gereist. Kurz vor dem Abriss trafen sich 19 aktive Mitglieder der Schliekumer Wehr, um ein allerletztes Mal sehr realitätsnah zu üben. Gruppenführer Ralf Heisler hatte sich eine besondere Herausforderung ausgedacht. Die Gruppenführerposition wurde von unausgebildeten Gruppenführern übernommen. Jeder der drei eingesetzten Gruppenführer kam ordentlich ins Schwitzen und der Lerneffekt für alle war enorm.

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Offensichtliche Tränen sind beim Abschiedsgrillen nicht geflossen. Diese tolle Ausbildungsmöglichkeit wird aber bestimmt vermisst und lange in positiver Erinnerung bleiben. Vielleicht ergeben sich in der Zukunft weitere solcher Übungsobjekte.