Man stelle sich vor ein Flugzeug kommt über dem Stadtgebiet zum Absturz. Ein Horrorszenario, doch die Sarstedter Kräfte sind auch dafür gerüstet.

Bei einer Großübung im Stadtgebiet Sarstedt wurde genau dieses Szenario angenommen. Durch einen Flugunfall in der Luft kam es zu herabfallenden und teilweise brennenden Trümmern. Diese trafen auf das Gebäude der ehem. Hauptschule in Sarstedt, welches dadurch Feuer fing, sowie auf die Mühle Malzfeld, in der ein Einsturz einiger Gebäude simuliert wurde. Zeitgleich kollidierte ein Bus mit etwa 40 Personen gegen die Brücke der Autobahnunterführung zwischen Hotteln und Algermissen.

Nun galt es, die Kräfte der Stadtfeuerwehr Sarstedt (Heisede, Hotteln, Gödringen, Ruthe, Schliekum Giften und Sarstedt), Kräfte der Gemeinde Giesen, Kräfte der Gemeinde Algermissen sowie zahlreiche Helfer des THW u.a. aus Sarstedt, Hildesheim, Braunschweig, Helmstedt, Langenhagen und den Rettungsdienst aus dem gesamten Landkreis Hildesheim zu koordinieren.

Im Feuerwehrhaus Sarstedt bildete sich die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL), um die Helfer zu koordinieren. Zeitgleich wurde auch die Technische Einsatzleitung (TEL) des Landkreises Hildesheim alarmiert, um den Einsatz von ganz oben zu führen.

Nach gut 4 Stunden waren alle Szenarien abgearbeitet. Nach einer anschließenden Verpflegung der Einsatzkräfte durch das THW Langenhagen konnten die erschöpften, aber auch sichtlich zufriedenen Kräfte herausgelöst werden.

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Bericht Hildesheimer-Allgemeine

 

Sarstedt – Mehr als 400 Feuerwehrleute und Mitglieder von Hilfsorganisationen haben sich am Samstag an einer Großübung in Sarstedt beteiligt. Dabei trainierten die Hilfskräfte unter anderem den Einsatz bei einem Busunfall, bei Bränden sowie die Rettung Verschütteter.

Das Drehbuch für das Übungsszenario hätte auch für einen Action-Film getaugt: Die Verantwortlichen haben angenommen, dass über Sarstedt zwei Flugzeuge zusammengestoßen sind. Die Trümmerteile prallten an mehreren Stellen in der Stadt auf. Dies führte zu mehreren parallelen Unglücken – und zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte.

„Das ist für uns Bürgermeister das schlimmste Szenario, was man sich vorstellen kann“, sagte Sarstedts Bürgermeisterin Heike Brennecke (SPD): „Das ist unser aller Alptraum.“ Gleich an vier Stellen im Stadtgebiet kam es laut Übungsszenario zu dramatischen Ereignissen: Ein Schulgebäude – genutzt wurde die ehemalige Hauptschule in Giebelstieg – stand in Flammen. Auf der Autobahn 7 kam ein Bus von der Fahrbahn ab und knallte die Böschung hinab auf die Landesstraße 479. Die Mühle Malzfeldt drohte einzustürzen, Vermisste und Verschüttete mussten befreit werden. Und schließlich war noch eine Pumpstation ausgefallen.

Rauch und Knaller rund um die ehemalige Hauptschule

Viele Baustellen also für die Einsatzkräfte. Um die vielen verschiedenen Einheiten der unterschiedlichen Hilfsorganisationen zu koordinieren, kam im Sarstedter Feuerwehrhaus die Technische Einsatzleitung zusammen. Gerade dieses Zusammenspiel der einzelnen Organisationen sollte bei der Übung trainiert werden.

Aber auch der Einsatz vor Ort wurde intensiv geübt. Und da hatten sich die Organisatoren der Übung einiges einfallen lassen, um die Szenerie an den einzelnen Einsatzstellen möglichst realistisch zu gestalten. So kam einem am ehemaligen Schulgelände schon von weitem beißender Gestank entgegen. Das Freigelände hatten die Verantwortlichen mit Hilfe von speziellen Rauchgeneratoren vernebelt. Immer wieder wurden mit Hilfe von Pyrotechnik ohrenbetäubende Explosionen simuliert.

In einem der Schulgebäude, so sah es das Drehbuch vor, war eine Schulklasse eingeschlossen. Sie wurden dargestellt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr Algermissen. Feuerwehrleute mussten die Jugendlichen aus dem verrauchten Gebäude retten und zur Verletzten-Sammelstelle bringen, die in der Sporthalle eingerichtet wurde.

Verwirrter Seminarleiter mit Aluhut

Aber das war nicht das einzige Problem von Einsatzleiter Lars Brinkmann. Auch eine Seminargruppe befand sich in dem Schulgebäude. Und der Seminarleiter war nicht nur esoterisch angehaucht (er trug einen silbernen Aluhut), sondern offenbar ob der Ereignisse auch ziemlich verwirrt. Die Darsteller kamen vom Team der Realistischen Notfalldarstellung aus Hannover.

Und die trugen nicht nur perfekt geschminkte Wunden, sondern verhielten sich auch so, wie es Unfallopfer eben machen. Schreien vor Schmerzen, apathisch auf dem Boden sitzen – oder eben auch wegen eines Schocks immer wieder verwirrt über den Schulhof laufen und die Rettungskräfte von ihrer Arbeit abhalten.

Ihren großen Auftritt hatten die Darsteller auch bei der Einsatzstelle unterhalb der A7. Dort stand am Samstag eine ganze Armada von Rettungswagen der verschiedenen Hilfsorganisationen auf der Landstraße zwischen Hotteln und Algermissen, die eigens für die Übung gesperrt worden war. „Wir wollen vor allem Standards üben“, erklärt Ralf Hellberg von der Hildesheimer Berufsfeuerwehr. Das bedeutet: die Verletzten nach Schwere ihrer Blessuren einteilen und sie anschließend je nach Dringlichkeit nach und nach Krankenhaus bringen. Als fiktives Krankenhaus diente dabei das Hottelner Dorfgemeinschaftshaus.

THW-Helfer bis zum
Abend im Einsatz

Auf dem Gelände der Mühle Malzfeldt dominierte am Samstag die Farbe Blau: Unzählige Wagen des Technischen Hilfswerks standen hier. Unter anderem übten die Ehrenamtlichen, einen Verschütteten (hier wurde eine Puppe eingesetzt) aus einem 20 Meter tiefen Silo zu befreien. Außerdem bauten die THW-Helfer ein Gerüst auf, um die beschädigten Mühlengebäude vor dem Einsturz zu bewahren.

Dieser Teil der Übung zog sich am längsten hin. Während die Helfer von Feuerwehr und Rettungsdienst und Feuerwehr bereits am Mittag mit ihrer Übung fertig waren, sollten die Arbeiten rund um die Mühle Malzfeldt noch bis in die Abendstunden gehen.

 

 

Einsatzstelle Hauptschule

Vorbereitung Schminken und Logistik