{"id":10585,"date":"2011-11-01T06:24:00","date_gmt":"2011-11-01T05:24:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ff-sarstedt.de\/stadt\/archive\/10585"},"modified":"2011-11-01T06:24:00","modified_gmt":"2011-11-01T05:24:00","slug":"mit-drehleiter-und-kamera-in-die-roemerzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ff-sarstedt.de\/stadt\/archive\/10585","title":{"rendered":"Mit Drehleiter und Kamera in die R\u00f6merzeit"},"content":{"rendered":"<div class=postoldimgfirst><a href=\"http:\/\/www.ff-sarstedt.de\/themenpark\/Berichte\/2011\/11\/201111011_2_1200.jpg\" rel=\"lightbox[10585]\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ff-sarstedt.de\/themenpark\/Berichte\/2011\/11\/201111011_2_1200.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/div>\n<p>Sarstedter Feuerwehr verhilft Arch\u00e4ologen zu exakten \u00dcbersichtsbildern \/ Grabungen gehen noch weiter<\/p>\n<p>Sarstedt (ph). Die Ausgrabungen zwischen Giften und Schliekum gehen weiter, auch wenn bis November das bisherige Feld erforscht ist. Gestern haben die Arch\u00e4ologen ihre Forschungsst\u00e4tte aus der Luft fotografiert \u0096 mithilfe der Drehleiter der Sarstedter Feuerwehr. <\/p>\n<p>In der Fernsehsendung \u0084Terra X\u0093 am Sonntag schildert Hape Kerkeling das Ewige Rom und schl\u00fcpft in die Rolle des leicht durchgeknallten Kaisers Nero. Er stellt dar, wie die zunehmende Dekadenz der r\u00f6mischen Gesellschaft mit der Aggressivit\u00e4t der Germanen zusammenprallte, die wiederum im Osten von Invasoren aus Zentralasien bedr\u00e4ngt wurden. Etwa zu dieser Zeit, um Christi Geburt und sp\u00e4ter, siedelten zwischen Giften und Schliekum in der N\u00e4he der Leine Leute, die handwerklich begabt waren, die in der Landwirtschaft arbeiteten und \u00fcber den Verkehrsweg Leine offenbar Kontakt zu anderen Ansiedlungen hatten.<\/p>\n<p>Das Germanendorf muss sp\u00e4ter verlassen worden sein, denn es versank erst in Vergessenheit, dann auch in der Erde. Nur ab und zu holten die Bauern nach dem Pfl\u00fcgen Keramikscherben aus dem Boden, einmal auch ein steinernes Beil, fein s\u00e4uberlich verarbeitet. Solche Funde machten Arch\u00e4ologen auf den Acker an den Giftener Seen aufmerksam. Und als dann auch noch der Mitarbeiter Harald Nagel von einem Kiesberg aus Verf\u00e4rbungen im Acker ausmachte, war klar, dass dort etwas liegen musste. Und: Es w\u00fcrde nicht mehr lange da liegen, weil Holcim dort Kies abbauen will. <\/p>\n<p>Die Firma \u00e4nderte ihre Abbau-Planungen, ein Arch\u00e4ologenteam des Bezirksarch\u00e4ologen Friedrich-Wilhelm Wulf unter der Leitung von Veronica K\u00f6nig begann mit der Arbeit. Schnell wurden die Fachleute f\u00fcndig (diese Zeitung berichtete mehrfach) und gruben nach und nach eine ganze Siedlung aus dem Acker. <\/p>\n<p>Umgeben von einem Graben, hatten sich die Germanen in dem Dorf ganz nett eingerichtet. Es gab nicht nur Wohnh\u00e4user, sondern auch ein sogenanntes Grubenhaus, eine haltbarere Konstruktion, die f\u00fcr Arch\u00e4ologen besonders interessant ist. <\/p>\n<p>Denn in solchen Grubenh\u00e4usern arbeiten oft die Handwerker. Man kann also Hinweise auf den Stand der Technik dort finden. Dazu freilich bedarf es geradezu detektivischer F\u00e4higkeiten und unendlicher Feinarbeit. Jedes Fundst\u00fcck, jede Scherbe wird genau fotografiert (digital und auf Film), wird GPS-gesteuert lokalisiert und schlie\u00dflich auch noch gezeichnet. Erst dann darf der Arch\u00e4ologe es aus dem Boden holen. Denn entscheidend sind weniger die Fundst\u00fccke als der Zusammenhang des Fundes, der auch f\u00fcr sp\u00e4tere Forscher-Generationen gesichert werden muss. Mehr als 700 einzelne Fundst\u00fccke haben die Arch\u00e4ologen auf diesem Ausgrabungsfeld gefunden. <\/p>\n<p>Inzwischen sind die Arbeiten in dem Feld weitgehend abgeschlossen. Veronica K\u00f6nig und ihre Mitarbeiter befassen sich derzeit noch mit einem zweiten Grubenhaus, das hart am Feldweg entdeckt wurde. Wenn das abgearbeitet ist, wollen sich die Arch\u00e4ologen den alten Graben rund ums Dorf genauer ansehen \u0096 und dann k\u00f6nnen die Kies-Abbauer kommen. <\/p>\n<p>\u00dcbersichtsbilder sind immer gut, nur: Wie kriegt man sie in der Leinemasch? Giftens Ortsheimatpfleger Hans Wehling, stets aufmerksamer Beobachter der Grabungen, hat einen Sohn, der Stephan hei\u00dft und Ortsbrandmeister in Giften ist. Stadtbrandmeister Uwe Meyer war sofort Feuer und Flamme (wenn man das so sagen darf) f\u00fcr die Idee, die 30-Meter- Drehleiter der Feuerwehr auch mal auf freiem Acker auszuprobieren. Und Daniel Schiefer steuert das tonnenschwere Ger\u00e4t mit so viel Fingerspitzengef\u00fchl, dass die Sorgen der Arch\u00e4ologin \u00fcber die H\u00f6henangst v\u00f6llig unbegr\u00fcndet waren. Vorsichtig hievte Schiefer die Wissenschaftlerin auf 30 Meter, schwenkte die Leiter und machte es so m\u00f6glich, die Fundstelle direkt von oben zu fotografieren. \u0084Eine tolle Gelegenheit\u0093, meinte VeronicaK\u00f6nig und dankte den Feuerwehrleuten f\u00fcr ihre Hilfe. <\/p>\n<p>Der Acker gegen\u00fcber ist derzeit noch frisch geeggt, allerdings ist der Abbau- Antrag schon gestellt. Im kommenden Jahr werden die Arch\u00e4ologen dort weiter arbeiten, berichtet Wulf. Denn die flache Erhebung, auf der sie jetzt f\u00fcndig geworden sind, erstreckt sich noch einige Meter in diesen Acker hinein. Es ist also weiter mit \u00dcberraschungen zu rechnen. Und wenn es nur noch mehr Grubenh\u00e4user sind: Jede Bronzenadel, jeder Kaninchensch\u00e4del und jeder Tropfen Bronzeguss verr\u00e4t den Fachleuten ein bisschen mehr dar\u00fcber, wie unsere Urururururgro\u00dfeltern ihre Tage verbracht haben.<\/p>\n<p><em>Bericht der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 01.11.2011<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ff-sarstedt.de\/themenpark\/Berichte\/2011\/11\/201111011_1_1200.jpg\" rel=\"lightbox[10585]\"><img decoding=\"async\" class=postoldimg src=\"http:\/\/www.ff-sarstedt.de\/themenpark\/Berichte\/2011\/11\/201111011_1_200.jpg\" alt=\"\"><\/a>        <\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sarstedter Feuerwehr verhilft Arch\u00e4ologen zu exakten \u00dcbersichtsbildern \/ Grabungen gehen noch weiter Sarstedt (ph). Die Ausgrabungen zwischen Giften und Schliekum gehen weiter, auch wenn bis November das bisherige Feld erforscht ist. 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