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Einsatzübung realistisch wie der Ernstfall

Alle Ortswehren und das THW bekämpften angenommene
Katastrophe am Teinkamp

Sarstedt, 21.10.1995. (as) Eine dumpfe Detonation zerriß die
abendliche Ruhe, weitere folgten, der schon dunkle Himmel war zunächst von Feuerschein,
dann von Silvesterraketen illuminiert, bis dichte Rauchschwaden die Szenerie verdunkelten.
Bei der Sarstedter Polizei lief das Telefon heiß: “Was ist passiert – wo brennt
es?” Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk brausten aus allen
Richtungen zum Interbuy-Gelände am Teinkamp, während die Beamten die besorgten Anrufer
beruhigten: “Es ist nur eine Katastrophenschutz-Einsatzübung. ”

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Aufgabe der Feuerwehr
war die Bergung der Verletzten

111 Helfer im Einsatz

Das allerdings konnte man am Übungsort leicht vergessen. Die
Übungsleitung, Stadtbrandmeister Rainer Will und der THW-Ortsbeauftragte a.D. Kurt
Carstens, hatten mit Unterstützung von Roland Bahr, Geschäftsführer des THW Hildesheim,
als Schadendarsteller ganze Arbeit geleistet. Der Übungsaufbau sorgte dafür, daß alle
111 am Einsatz beteiligten Personen sämtlicher Ortswehren und des Technischen Hilfswerks
während der dreieinhalbstündigen Übung kaum zum Verschnaufen kamen. Das Szenario mit
lodernden Flammen, verqualmten Hallen und ohrenbetäubenden Explosionen, die unvermittelt
zum Umdenken und Neuorganisieren zwangen, hätte realistischer kaum sein können. Die
angenommene Situation der Alarmübung “Wasserfall”: Gegen 18.30 Uhr war nach
einer Explosion, in der Fahrzeughalle der Firma Deutsche SB/Interbuy ein Schadenfeuer
ausgebrochen. Der Strom war ausgefallen, in der Dunkelheit fanden bei starker
Rauchentwicklung einige Verletzte nicht den Weg ins Freie, die Zahl der Personen war nicht
bekannt. So stellte sich die Lage beim Eintreffen der ersten Einsatzfahrzeuge dar.
Während die ersten Retter mit Atemschutz in die verqualmte Ha11e vordrangen, um die
Verletzten zu bergen, zeichneten sich erste Komplikationen ab. Aus einem Wagen hinter der
Halle mußte der eingeklemmte Fahrer befreit und versorgt werden. Die südwestliche
Hallen- wand drohte einzustürzen, der Brand dehnte sich weiter aus und gefährdete durch
Funkenflug die gegenüberliegende Halle – und die Sondierung des Gebäudes ergab, daß
sich im Lager unmittelbar neben dem Brandherd Propangas- und Sauerstoffflaschen befanden,
die eine zusätzliche unmittelbare Explosionsgefahr darstellten; Dieses Lager je- doch war
versperrt: Um es zu öffnen, mußte das THW anrücken, um die Eisentür aufzuschweißen.
Währenddessen galt es, die funkenfluggefährdete Halle vor einem Übergreifen der Flammen
zu schützen und die inzwischen geborgenen Gasflaschen zu kühlen. Zwei Gruppen mußten
für den Löscheinsatz in der Halle hinter dem Verwaltungsgebäude abgezogen werden. Die
Wasserversorgung wurde nicht nur von Über- und Unterflurhydranten aus hergestellt sondern
zusätzlich auch mit Pumpen vom Boksbergteich her. In der Einsatzleitstelle auf dem
Hagebau-Parkplatz, besetzt mit dem stellvertretenden Stadtbrandmeister Rainer Glowienka
und Sarstedts Ortsbrandmeister Heinz-Georg Hartmann, liefen alle Fäden zusammen. Die
Erstversorgung der Verletzten erfolgte in unmittelbarer Nähe. Vom reibungslosen Ablauf
der Übung überzeugten sich dort gerade Stadtdirektor Karl-Heinz Wondratschek und sein
Stellvertreter Horst-Dieter Schelper, als ein neues unvorhergesehenes Ereignis schnelle
Reaktion erforderte.

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Das THW mußte
die Lagertür aufschweißen

Flüßigkeit tritt aus

Der Ausfall einer Tragkraftspritze am Boksbergteich und das Ersetzen
durch ein intaktes Gerät war. das kleinere Übel. Aus einem Container jedoch trat eine
noch unbekannte Flüssigkeit aus. Zwei Mann mit Vollschutzanzügen und Preßluftatmern
sondierten die Lage, die Rückfrage über Funk bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale
bestätigte die Befürchtung, daß es sich um Buttersäure handelte. Die galt es nun
abzupumpen, zwischenzulagern und zu entsorgen. Auch hier hatten die Regisseure ganze
Arbeit geleistet – von der umweltneutral imitierten Säurekonsistenz bis hin zum
stechenden Geruch, der den Atemschutz nicht zum lästigen Übungsbestandteil sondern zur
Notwendigkeit machte. Als gegen 22 Uhr alle Fahrzeuge wie- der abgerückt waren und im
THW-Heim die Übungsbesprechung stattfand, konnten alle Beteiligten mit dem Ablauf
zufrieden sein. Stadtbrandmeister Rainer Will: “Die Zusammenarbeit, auch mit dem
Technischen Hilfswerk, hat hervorragend geklappt.”