HARSUM/ Jugendzeltlager:
Haftstrafe für Brüder
Milan K. muß drei Jahre hinter Gitter
Wegen eines Übergriffs auf ein Zeltlager der Jugendfeuerwehr hat
das Amtsgericht Hildesheim gestern ein Harsumer Brüderpaar zu Haftstrafen verurteilt.
Milan K. muß drei Jahre in Haft, sein Bruder Andrej K. erhielt sieben Monate auf
Bewährung und eine Geldstrafe von 2500 Mark. Die beiden Brüder hatten drei
Feuerwehrleute teilweise erheblich verletzt.
Hildesheim, 26.06.1998. Milan K. wurde nicht nur
für diese schwere Körperverletzung verurteilt, die er gemeinschaftlich mit seinem Bruder
beging. Im vergangenen Jahr hatte er bereits einen Harsumer angegriffen und dabei schwer
verletzt. Außerdem hatte er in einem anderen Prozeß einen Meineid geleistet. “Ich
fürchte, auch dieses Urteil wird Sie nicht davon abbringen, unter Alkoholeinfluß weitere
Straftaten zu begehen”, sagte Richter Josef Hogreve. In seiner Urteilsbegründung
wies der Richter auf die hohe Rückfälligkeit des 36jährigen hin. Der in Harsum als
gewalttätig bekannte Milan K. ist bereits 16mal vorbestraft. Wegen mehrerer schwerer
Gewaltdelikte mußte er schon etliche Haftstrafen verbüßen.
Hogreve zweifelte nicht daran, daß Milan K. die Feuerwehrleute
geschlagen hat, während sein Bruder die Männer festhielt. Das Harsumer Duo war im
vergangenen August vor dem Feuerwehrhaus gegenüber dem Zeltplatz erschienen und nach
Beleidigungen auch handgreiflich geworden. Drei Brandmeister wurden dabei verletzt. Das
Lager mit 260 Jugendlichen war noch in der Nacht abgebrochen worden. Angeblich hatten die
Täter gedroht, das Lager am kommenden Tag “platt zu machen”.
Diese Drohung konnte im Verfahren jedoch nicht nachgewiesen werden.
Auf Antrag der Staatsanwältin wurde die Anklage in diesem Punkt deshalb vorläufig
eingestellt.
Der Verteidiger von Andrej K. verwies in seinem Plädoyer darauf,
daß sein Mandant bei den Körperverletzungen nur Beihilfe geleistet habe. Darum sei er
kein Mittäter. Der Anwalt stützte sich auf die Aussage eines Harsumers. Demnach hat
Andrej K. einen Feuerwehrmann lediglich in den Schwitzkasten genommen. Sein Mandant habe
damit nur seinen Bruder schützen wollen. Außerdem habe er die Beleidigungen eingeräumt,
betonte der Verteidiger. Er forderte deshalb, Andrej K. nur zu einer Geldstrafe zu
verurteilen.
Der Richter schloß sich in seinem Urteil gegen Andrej K. indes der
Ansicht der Staatsanwaltschaft an. Demnach sei Milan K. von dem Feuerwehrmann, der nach
Angaben von Zeugen nur aufgestanden ist, nicht angegriffen worden. Andrej K. habe seinem
Bruder durch sein Verhalten erst ermöglicht, den Festgehaltenen zu schlagen, führte
Hogreve aus. K. habe gewußt, daß sein Bruder zuschlagen könne und diesen davon nicht
abgehalten. Deshalb sei er Mittäter, begründete der Richter.
Die Staatsanwältin machte bei der Anklage gegen Milan K. an einem
Beispiel deutlich, welche Angst manche Zeugen haben, gegen den 36jährigen auszusagen. Von
zahlreichen Besuchern eines Harsumer Imbiß wollte am Ende nur einer gesehen haben, wie
Milan K. im Mai vergangenen Jahres ein Mountainbike auf einen anderen Gast geworfen hatte.
Dieser war dabei erheblich verletzt worden.