Sarstedt Ein Bürstenmacher gründete die Freiwillige Wehr
x
(akr) Ob zum Löschen, Bergen, Retten oder Schützen die Freiwillige Feuerwehr ist immer einsatzbereit. Die ehrenamtlichen Helfer opfern ihre Freizeit und sehen im Ernstfall der Gefahr ins Auge. Seit 125 Jahren steht die Freiwillige Feuerwehr Sarstedt im Dienst der Bürger. Der Sarstedter Anzeiger berichtet über sie in loser Folge. Heute: die Anfänge.
In Sarstedt hat es schon immer viele große Brände gegeben, sagt Ortsbrandmeister Friedhelm Ulrich. Stadtbrände und auch zahlreiche Feuer, die durch Blitzschlag in landwirtschaftlichen Betrieben entstanden sind. Große Feuer haben wir auch heute noch, sagt Ulrichs Stellvertreter Uwe Meyer. Doch durch den großen Wandel in Technik und Ausrüstung ließen sich diese besser bekämpfen.
So greife heute ein Brand nicht mehr so schnell auf andere Gebäude über. Neben der technischen Ausrüstung ist das vor allem dem schnelleren Eingreifen der Brandschützer zu verdanken. Früher mussten die Feuerwehrmänner noch per Horn auf dem Feld benachrichtigt werden. Mit dem Pferd wurde die Handdruckspritze zur Brandstelle gebracht. Dabei verging kostbare Zeit. Die Feuerwehr kann heute in wenigen Minuten am Einsatzort sein. Dennoch: Die Sarstedter Brandschützer leisteten bereits in der Vergangenheit enorm viel.
Vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr bestand nach einem Reglement von 1878 noch für alle männlichen Einwohner zwischen 18 und 50 Jahren die Pflicht zur Hilfeleistung in Feuersnot. Im Februar 1880 gründete der Bürstenmacher Friedrich Germann schließlich die freiwillige Wehr und wurde ihr erster Hauptmann. 50 Mitglieder standen hinter ihm. Aus Altersgründen gab Germann bereits im folgenden Jahr sein Amt an den Ackerbürger und Bürgervorsteher Friedrich Walters ab. Es folgten Arnold Tischbein, Alfred Schrader, Richard Hilke, Willi Jaedtke, Walter Achilles, Werner Hübener, Claus-Peter Dißmer und Heinz-Georg Hartmann. Ulrich ist seit 2000 der elfte Ortsbrandmeister in der Geschichte.
Zu Anfang spielte auch Musik in der Wehr eine Rolle. 1887 gründete sie eine eigene Kapelle, aus der später das Sarstedter Blasorchester hervorging.
Vor allem waren es seit den ersten Jahrzehnten große Brände, die die Helfer in Atem hielten. So brach beispielsweise 1891 ein Feuer in der Lumpensortieranstalt in der Eulenstraße aus. Zwölf Sortiererinnen rettete die Wehr noch im letzten Augenblick aus den brennenden Räumen. Das Feuer schwelte noch nach 14 Tagen. 1895 schlug bei Gewitter der Blitz in den Turm der Nicolaikirche ein. Dabei wurde die Kirchturmspitze heruntergerissen, das Schieferdach des Turms zerstört.
Vor allem Brände in Fabriken begleiteten die Wehr in ihrer Geschichte. Dazu zählt 1913 ein Feuer in der Fabrik Voss, bei dem ein 100 Quadratmeter großes Packmaterialmagazin zerstört wurde. 1919 brach ein weiteres Großfeuer aus. Die sechsstöckige Weizenmühle der Firma Ernst Malzfeldt brannte vollständig nieder. 1200 Sack Weizenmehl konnten noch geborgen werden. 1930 fiel die damalige Dampfmühle Baxmann einem Großfeuer zum Opfer. Die vermutete Brandstiftung konnte nie nachgewiesen werden.
Doch auch bei Hochwasserkatastrophen war die Wehr im Einsatz. So rettete sie im Jahr 1926 beispielsweise Menschen und Tiere eines gastierenden Zirkus. Das große Zelt stürzte allerdings in die Wassermassen.
Die Funktionen der 1898 aufgelösten Nebenwehren des Kriegervereins und des Vereins Bündnis, hatte die Freiwillige Feuerwehr übernommen. Ihr Gerätepark war zu dem Zeitpunkt bereits ansehnlich: zwei Handdruckspritzen, eine 16 Meter lange mechanische Leiter, ein Zubringer, mehrere Steigeleitern und Zubehör. Damals gab es sogar eine Steigertruppe, erzählt Ulrich. Sie war speziell für die Hilfeleistung aus der Höhe ausgebildet.
Im Jahr 1907 bezog die Wehr ihr erstes Quartier. Das Feuerwehrhaus stand auf dem Stadthof, dem heutigen Bürgermeister-Meckler-Platz. Es verfügte nicht nur über einen Übungsraum, sondern auch über einen Schlauch- und Steigerturm. Bis 1955 war es der Feuerwehrstandort. Dann weihte die Wehr ihr neues Feuerwehrhaus in der Bleekstraße ein. Dort ist sie bis heute untergebracht.
Die Sarstedter Feuerwehr hat zu ihrem Jubiläum eine Chronik verfasst. Ihr Feuerwehrfest zum 125. Geburtstag feiert sie mit dem Freischießen, Volks- und Schützenfest vom 9. bis 13. Juni.
Bericht der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 28.05.2005