(akr) Das Festzelt ist bereits warmgefeiert. Noch vor dem Fassanstich gestern Abend hat die Feuerwehr mit ihrem Jubiläum das Volks- und Schützenfest eröffnet. Es hagelte Lob und Glückwünsche. Neben jeder Menge Spaß gab es aber auch kritische Worte.

Feuerwehren, Vereine und zahlreiche Ehrengäste haben das Festzelt von Walter Marris bereits am Donnerstagabend in

Bürgermeister Wondratschek und der Landesfeuerwehr- präsident Hans Graulich

Bürgermeister Wondratschek und der Landesfeuerwehrpräsident Hans Graulich

Beschlag genommen, um mit der Sarstedter Ortsfeuerwehr Geburtstag zu feiern. Ortsbrandmeister Friedhelm Ulrich eröffnete das Feuerwehrfest, das der Musikzug Harsum musikalisch begleitete.

Bürgermeister Karl-Heinz Wondratschek führte die Liste der Gratulanten an. Gerade wir in Sarstedt wissen, wie wichtig die Feuerwehr ist, sagte er. Denn in ihrer Geschichte habe die Stadt acht Großbrände erlebt. In Sarstedt stünden die Verwaltung und der Stadtrat völlig hinter der Wehr. Politik und Feuerwehr haben viel gemeinsam: Manchmal wird es brenzlich. Doch es gebe einen wesentlichen Unterschied: In der Politik löscht die eine Seite, während die andere weiter zündelt.

Für den von der Feuerwehr lang gehegten Wunsch nach einem neuen Gerätehaus könne er keine Zusage machen. Dennoch: Einen möglichen Standort reserviere die Stadt. Wir haben ein geeignetes Grundstück im Kirchenfelde, das wird nicht verkauft, so Wondratschek.

Werner Vahlbruch als Feuerwehrmann anno 1900

Werner Vahlbruch als Feuerwehrmann anno 1900

Zu den Gratulanten zählten der stellvertretende Landrat Reiner Wegner (SPD) und die CDU-Landtagsabgeordnete Ursula Ernst. Es ist wichtig, dass die Feuerwehr weiter besteht, betonte sie. Die Feuerwehr ist unser größter Schatz.Der stellvertretende Ortsbrandmeister Uwe Meyer nahm die Gäste mit auf eine Tour durch die Geschichte. Die hatte Stadtheimatpfleger Werner Vahlbruch bereits zu Beginn des Festaktes eingeleitet, indem er als Feuerwehrmann anno 1900 kam: mit Schnauzer und Kneifer-Brille, Sarstedter Feuerwehrhelm mit Wappen aus dem Jahr 1902 und originaler Feuerwehrjacke aus Giesen. So stieß er mehrfach in das historischen Brandhorn.

Stadtbrandmeister Rainer Will wies auf den hohen Stellenwert der Sarstedter Ortswehr in der Stadt und auch im Landkreis hin. Zudem gab er bekannt, dass er im Februar nicht mehr als Stadtbrandmeister zur Verfügung stünde. Seit 18 Jahren ist er im Amt. Wir haben in der Zeit viel auf die Beine gestellt, und die Feuerwehren sind rundum neu ausgestattet worden, lautete seine Bilanz. Und: Es war eine schöne Zeit. Lob hatte auch Heinrich Köhler, Brandabschnittsleiter Nord, für die Gastgeber. Deutliche Worte fand er zu der von Innenminister Uwe Schünemann geforderten bunte Leitstelle. Den Plänen zufolge soll in Hildesheim eine Schaltstelle für Polizei und Rettungsdienst gemeinsam eingerichtet werden. Strafverfolgung durch die Polizei darf nicht in einen Topf mit der Feuerwehr geworfen werden, betonte er. Wer an der Feuerwehr spart, spart an der Sicherheit der Bürger.

Klare Kritik äußerte auch Hans Graulich an den Leitstellen-Plänen. Der Präsident des Landesfeuerwehrverbands war direkt von der Interschutz-Messe in Hannover zum Gratulieren nach Sarstedt gekommen. Er appellierte an den stellvertretenden Landrat Wegner. Es wäre gut, wenn Sie im Landkreis Fakten schaffen, an denen der Innenminister nicht vorbeikommt. Er warnte vor starken Einsparungen bei der Feuerwehr. Wenn wir alles dörfliche Leben platt machen wollen, dann müssen wir nur so weitermachen. Sicherheit gebe es nicht zum Nulltarif. Die Feuerwehr auch nicht. Er sei froh, dass Bürgermeister Wondratschek der Stellenwert der Sarstedter Wehr bewusst sei. Ich bin dankbar, dass er die Feuerwehr unterstützt.

Neben ernsten Worten stand auch der Spaß immer wieder im Mittelpunkt. So hatten beispielsweise Stadtbrandmeister Will und Ortsbrandmeister Ulrich eine Überraschung für Bürgermeister Wondratschek parat. Er bekam eine Feuerwehrjacke und wurde zum ersten Feuerwehranwärter ehrenhalber ernannt.