Noch vor wenigen Wochen war eines der großen Themen unserer Feuerwehr die neue Drehleiter. Wir hatten nach langem Warten „endlich“ unsere neue Leiter bekommen. Waren ungeduldig und neugierig wie kleine Kinder an Weihnachten. Voller Vorfreude investierten wir unzählige Stunden in die Ausbildung. Mitte Juni ging die neue Drehleiter dann in den aktiven Einsatzdienst. Ein tolles Fahrzeug! Ein Quantensprung in der Technik.

Seitdem stand die alte Leiter ungenutzt und ausgemustert in der Fahrzeughalle. Weitgehend ohne Ausrüstung wartete sie dort auf einen neuen Eigentümer. Im Laufe des Juli sollte das Fahrzeug von einem Fachmann begutachtet werden und anschließend in den Verkauf gehen. Im Vorbeigehen still für sich oder auch in Gesprächsrunden fragten sich die Kameradinnen und Kameraden wohl oft dieselben Fragen: „Wo wird sie wohl hingehen? Welche Feuerwehr wird sie künftig bei Einsätzen begleiten? Bleibt sie in Deutschland, oder geht sie nach Osteuropa oder Südamerika, wie so viele ausgemusterte deutsche Feuerwehrfahrzeuge vor ihr?“.

Währenddessen passierte in für globale Verhältnisse wenigen Hundert Kilometern Entfernung in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine Katastrophe, die sich erst nach einigen Tagen als weit mehr als nur ein Hochwasser herausstellen sollte. Hochwasser – das kennen wir in Deutschland und auch in Sarstedt. Bilder von überfluteten Straßen, von vollgelaufenen Kellern, von beschädigten Pkw. Alles nichts Neues. Doch weit mehr als hundert Tote? Ganze Orte sprichwörtlich weggespült? Absoluter Zusammenbruch der Infrastruktur? So etwas passiert in unseren Breitengraden zum Glück äußerst selten.

Mit den Informationen und Bildern in den Medien und den sozialen Netzwerken kam auch langsam die Erkenntnis, dass es eben nicht nur die „normalen Bürger“ getroffen hatte. Sondern auch die Helfer. Feuerwehren, die in der Regel bei jeglichen Notlagen in deutschen Städten und Gemeinden verlässlich die ersten Hilfskräfte stellen, waren ebenso stark von der Flut betroffen. Fahrzeuge und Ausrüstung weggespült und zerstört. Die Feuerwachen stark beschädigt oder ebenfalls vollständig zerstört. Und leider haben auch Einsatzkräfte während der Katastrophe ihr Leben verloren – teilweise im Zusammenhang mit Rettungseinsätzen. Die Freiwilligen Feuerwehren als Helfer – unfreiwillig einsatzunfähig!

„Mensch, da muss man doch irgendwie helfen können?!“ war sicherlich einer der Sätze, der vielen unserer Kameradinnen und Kameraden in diesen Tagen durch den Kopf ging. Aus diesem Gedankengang heraus entstand dann zum Beispiel die Idee unseres Ortsbrandmeisters Maik Kreutzkam, Bilder mit Motiven seiner Fototouren durch die Insekten- und Feuerwehrwelt gegen Spendenbeiträge zu versteigern. Und noch eine weitere Idee kam dem einen oder anderen beim Gedanken an unsere alte Drehleiter in den Sinn: „Was wäre, wenn..“

Gedacht, getan. Nach ein wenig Recherche stellte sich heraus, dass die Feuerwehren im Kreis Ahrweiler besonders hart von der Katastrophe getroffen worden waren. Mehrere Ortsfeuerwehren waren komplett einsatzunfähig. Mehr oder weniger der gesamte Fuhrpark wurde von den Fluten in Mitleidenschaft gezogen. Zusätzlich sind fast alle Brücken über die Ahr in der Region zerstört. Der Schutz der Bevölkerung unter Einhaltung der Hilfsfristen kann so kaum sichergestellt werden.

In den folgenden Tagen nahmen die Überlegungen dann Fahrt auf. Aus der Idee wurde ein Plan. Es wurden Kontakte geknüpft und unzählige Gespräche mit den zuständigen Stellen und Gremien geführt. Dank der großartigen Unterstützung unserer Bürgermeisterin Heike Brennecke sowie von Rat und Verwaltung der Stadt Sarstedt war es dann am 28.07.2021 so weit. Unser Stadtbrandmeister Jens Klug, Ortsbrandmeister Maik Kreutzkam und Sebastian Blaut, Stellvertreter für beide Positionen überführten gemeinsam mit Bürgermeisterin Heike Brennecke die ausgemusterte Drehleiter nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es folgten an dem Tage diverse Einweisungen,um die Kameraden vor Ort in Grundzügen auf das Fahrzeug zu schulen. Dort wird sie nun als längerfristige Leihgabe dabei helfen, den Bürgerinnen und Bürger im Notfall adäquate Hilfe zukommen zu lassen.

Unsere Bürgermeisterin hat das während der Überführung Erlebte in einem mit Bildern hinterlegten Post auf Facebook selber mehr als treffend zusammengefasst. Wir möchten daher an dieser Stelle gerne darauf verlinken: